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Avatar

Zwölf Jahre nach »Titanic« meldet sich James Cameron mit »Avatar« zurück. Im Gegensatz zu so manch anderem abstinenten Filmemacher sind Camerons Fähigkeiten zum Glück nicht verkümmert sondern ausgeprägter denn je.

»Avatars« größte Schwäche, wenn man so will, ist die Handlung. Hier hat man »Der mit dem Wolf tanzt«1 mit einem Hauch »The Matrix« garniert und einen actiongeladenen Showdown spendiert: Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington) bekommt auf dem Planeten Pandora eine zweite Chance. Sein Bewusstsein wird mit einem den Einwohnern nachgebildeten Avatar verknüpft. Damit sollen die Beziehungen zu dein ansässigen Na’vi verbessert werden, um den Abbau von wertvollen Rohstoffen zu beschleunigen. Während seines Auftrags nähert sich Jake – völlig unerwarteter Weise – der Kultur der Planetenbewohner an. Als er seine Erkenntnisse und Gefühle nicht mehr mit seiner Mission vereinbaren kann, trifft er eine folgenschwere Entscheidung …

Obwohl einem vieles bekannt vorkommt, ist die Ausführung exzellent. Cameron hat ohne Zweifel viel Arbeit in die Details und Charaktere gesteckt und diese auch passend besetzt. Neben der ganzen Hollywood-Prominenz bleibt aber vor allem Stephen Langs Leistung als harter Bösewicht in Erinnerung.

60 % des Films bestehen angeblich aus computeranimierten Sequenzen. Wer nun angesichts realitätsnachbildender Filme wie »Beowulf« die Nase rümpft, dem sei gesagt, dass es sich bei »Avatar« diesbezüglich um die qualitativ besten animierten Bilder handelt, die bisher im Kino zu sehen waren. Zudem wurden, so scheint es zumindest, nur jene Szenen am Computer erstellt, die sich nur mit argen Kompromissen in der Wirklichkeit hätten umsetzen lassen. Auch kameratechnisch wirken die Sequenzen sehr natürlich und fügen sich mit ihrem leicht verwackelten Steadycam-Stil nahtlos in den prachtvoll fotografierten Film ein.

Wer die Möglichkeit hat sollte übrigens der 3D-Version von »Avatar« den Vorzug geben. Obwohl ich noch immer nicht restlos von der Technik überzeugt bin, fügt sie richtig eingesetzt dem Film eine neue Ebene hinzu. Möglicherweise eine Art visuelle Seele, ähnlich der Filmmusik. »Avatar« bietet so jedenfalls eine Erfahrung, die sich so schnell nicht in heimischen Wohnzimmern wiederholen lässt.

Apropos Musik: In diesem Bereich sind die Macher kein Risiko eingegangen und setzten auf James Horner, dessen Soundtrack die Atmosphäre auf dem Planeten Pandora sehr gut herausstreicht und dessen Klänge im Vergleich zu anderen diesjährigen Filmen weitaus mehr Erinnerungspotenzial aufweisen.

Bei Filmen gibt es die Meinung, dass diese umso besser sind, je weniger einzelne Elemente auffallen. Spezialeffekte sind gut, wenn man sie nicht bemerkt. Schauspieler sind gut, wenn man ihnen ihr Spiel nicht ansieht. Filmmusik ist gut, wenn sie nicht das Hauptaugenmerk auf sich zieht. Obwohl all dieses Richtlinien ihre Gültigkeit haben mögen, demonstriert »Avatar« erfolgreich, dass es eben nicht unbedingt so sein muss. Hier stechen alle Qualitäten, dank 3D im wahrsten Sinne des Wortes, heraus – ein rundum gelungener Science-Fiction-Film, dessen einsteigerfreundliche Komplexität und perfektionistische Machart auch Leuten mit Genre-Aversion begeistern dürfte.

So gut wie perfekt – 5/5


  1. Eine Anspielung darauf gibt es übrigens in der South-Park-Folge »Dances with Smurfs«.

4 Kommentare

#1 von David am 31. Dezember 2009 um 18:19 Uhr

Auf diesen Post habe ich schon gewartet - guten Rutsch!

#2 von Benedikt am 31. Dezember 2009 um 18:21 Uhr

Das könnte der schnellste Kommentar in der Geschichte dieses Blogs sein. Ebenfalls guten Rutsch!

#3 von Sonja am 17. Januar 2010 um 23:45 Uhr

Jetzt hab ich Avatar auch gesehen…..3D im IMAX.
3 Stunden die gefühlsmäßig 1 Stunde waren. Die fünf Sterne hat er sich verdient.

#4 von Benedikt am 20. Januar 2010 um 20:51 Uhr

Wow, hätte nicht gedacht, dass dir der Film so gut gefällt.


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